Maria Zerres

RAUMANSICHT

Fotografie Franz Kimmel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Mit der rahmensprengenden Kraft und Farbigkeit ihrer großformatigen Leinwandbilder ist Maria Zerres die jüngste Künstlerin in der Sammlung. Ihre frühen Arbeiten um 1981 belegen einen vehement expressiven Einstieg in eine Malerei, wie sie mit den Jungen Wilden der 80er Jahre Deutschland erstmals wieder internationale Aufmerksamkeit einbrachten.

Jeanne d’Arc, 2010

Fotografie Franz Kimmel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Highway Blues, 2004-2007
Öl auf Leinwand, 160 x 139,7 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Repro Jens Willebrand

Eine Serie von Bildern der späten 80er belegt den außergewöhnlich freien Umgang der erst 28-jährigen Künstlerin mit der Farbe. Um 1990 münden diese eigenwilligen Farbkontraste in eine Serie von Grisaillen, um sich im Lauf der 90er Jahre nacheinander jeweils einige Jahre auf alle Facetten der Farben Gelb, Rot und Blau zu konzentrieren.

Mit den „Liegenden Frauen“ setzte um 1994 die Serie der Bilder von Frauen ein, die bis heute lesend, spielend, lasziv oder tänzerisch und gelegentlich begleitet von Kindern, die Bildfläche bestimmen.

Wird kompositionell eine tiefe Verbundenheit mit der Kunst vergangener Jahrhunderte spürbar – manche Liegende gehen zurück auf Bilder der Renaissance wie Tizians „Venus mit dem Orgelspieler“ –, so erinnert der zeichnerische Zugriff auf das Motiv in seiner unvermittelten Direktheit an Elemente der Art Brut oder des Informel. Charakteristisch ist dabei eine Symbiose von zumeist monochrom aufgebautem Hintergrund und einer im breiten, malerischen Strich zwischen Malerei und Zeichnung changierenden linearen Struktur, die sich als Netz oder Gitter über die Fläche spannt.

Die dabei entstehenden Überlagerungen und unvermittelten Spannungen zwischen reiner Form und gegenständlicher Chiffre, zwischen sichtbarem Pinselduktus und geglätteter Fläche, räumlicher Setzung und entschiedenem Arbeiten gegen jede Zentralperspektive gehören zu den wesentlichen Charakteristika der Werke von Maria Zerres.