Maria Zerres

RAUMANSICHT

Fotografie Franz Kimmel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Mit der rahmensprengenden Kraft und Farbigkeit ihrer großformatigen Leinwandbilder ist Maria Zerres (geboren1960), die jüngste Künstlerin in der Sammlung.

Jeanne d’Arc, 2010

Fotografie Franz Kimmel
© VG Bild-Kunst, Bonn
Highway Blues, 2004-2007
Öl auf Leinwand, 160 x 139,7 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Repro Jens Willebrand

Mit der rahmensprengenden Kraft und Farbigkeit ihrer großformatigen Leinwand-bilder ist Maria (Margit) Zerres die einzige Frau im Kreis der Künstler des Museums. Ihre frühen Arbeiten belegen einen vehement expressiven Einstieg in eine Malerei, wie sie Deutschland mit den Jungen Wilden der 80er Jahre erstmals wieder internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Während in den späten 80ern die damals erst 28-jährige Künstlerin einen außergewöhnlich freien Umgang mit eigenwilligen Farbkontrasten zeigt, wendet sie sich um 1990 der Grisaille zu, um sich im Lauf der 90er Jahre nacheinander jeweils einige Jahre auf die Dimensionen von Gelb, Rot und Blau zu konzentrieren.
Zwischen 2004 und 2007 entstand der Zyklus „Dylan Metamorphosen“ als Hommage an den geschätzten Singer-Songwriter und die zahlreichen Facetten seines Lebenswerkes. Bei Zerres verbinden sich darin der zeichnerische Strich für Körper und Gegenstand mit einzelnen, locker auf das Weiß des Bildgrundes gesetzten Farbflächen. Sie bilden eine ruhige Rahmung oder treten durch Überlagerungen und gestischen Farbauftrag in unmittelbaren Dialog mit der Strichzeichnung.
Dabei erinnert der Zugriff auf die menschliche Figur in seiner Direktheit an Elemente der Art Brut oder des Informel. Tatsächlich entstehen die Werke von Maria Zerres auf der Leinwand spontan und – wie die „Dylan Metamorphosen“ – ohne Vorzeichnung. Sie bereiten sich jedoch gegenseitig vor: Das schwer trocknende Mohnöl und mehr noch die geradezu barocke Ideenfülle der Künstlerin bedingen ein stets gleichzeitiges Arbeiten an mehreren, sich zu Serien formierenden Werken. Einzelne Bilder sind dadurch besonders eng miteinander verknüpft, innerhalb der „Dylan Metamorphosen“ zum Beispiel die mehrfigurigen, farbigen Großformate, die mit kräftig-dunklem Pinselstrich herangezoomten Gesichter und die zarten, nur mit Kreide skizzierten und mit Metallic-Lavierungen unterlegten Porträts.
Die Spannungen zwischen reiner Form und gegenständlicher Chiffre, zwischen sichtbarem Pinselduktus und geglätteter Fläche, räumlicher Setzung und aktivem Entgegenwirken jeglicher Zentralperspektive gehören zu den lebendigen Eigen-schaften der Werke von Maria Zerres.